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Meiental

Das Meiental

Wie eine Krone ragen die Gipfel in den Himmel, im Norden ist es die Grassen–Spannort–Kette und im Süden die Fleckistock–Kette. Diese imposanten Gipfel gehören zu den höchsten Bergen im Kanton Uri, ja sogar der höchste aller Urner gehört dazu , der Fleckistock mit 3416 Meter über Meer. Eingebettet in dieser Krone liegt das Seitental des Urner Reusstals, das Meiental. Seit Millionen von Jahren fliessen, die von den Gletschern gespiesenen Bäche in die Meienreuss und haben ein tiefes Tal ausgefressen. Einen Dorfkern sucht man im Meiental vergebens, dominiert wird das Tal von den Weilern Husen, Dörfli, Fürlaui und Färnigen. Politisch gehört das Meiental zur Gemeinde Wassen.

Die Geschichte

Meien zählt zu den ältesten Siedlungen von Uri und ist seit Mitte des 13. Jahrhunderts historisch belegt. Obwohl der Name Meien schon alt und gut belegt ist, lässt er sich nicht mit absoluter Sicherheit deuten. Woher die Bewohner ursprünglich kamen, ist nicht sicher, sie waren aber keltischer Abstammung. Es folgten wilde und rauhe Zeiten im Meiental. Der Sustenpass war von grosser strategischer Bedeutung. Die Religionskriege hinterliessen im Meiental tiefe Spuren. So ist am „Guferegg“ im hinteren Meiental die um 1618 erbaute Schanz ein Zeuge dieser Zeit. Sie wurde von den Urnern erbaut um sich vor der Bedrohung von Bern zu schützen. Die kriegerischen Zeiten veranlassten die Wassner, ein weiters Bollwerk zu erstellen. Der Tessiner Ingenieur Pietro Morettini bekam 1712 den Auftrag, ob dem „Breitenwasser“ eine Festung zu bauen. Die Meienschanz war gegen den Sustenpass gerichtet und bestand aus Talsperre, Brustwehr, Artilleriestand sowie den dazugehörenden Unterständen. Bald aber sollte die Meienschanz ihrer Rolle gerecht werden. Am 15. August 1799 rückte eine Walze von 6000 Franzosen unter General Loison gegen Wassen. Seite an Seite standen Österreicher und Urner schlecht ausgerüstet zur Verteidigung an der Meienschanz. Es entbrannte ein heftiger Kampf und nach dem fünften Angriff stürmten die Franzosen die Festung und sie machten sich in Wassen breit. Es folgten bittere Jahre mit Elend und Hunger.

Die Entwicklung

Die Schule von Meien hat eine lange Tradition. Vorerst erteilte der Kaplan im Untergeschoss der Kaplanei den Schulunterricht. Der erste mit Namen bekannte Kaplan und Lehrer war Jost Anton Muheim von 1792 bis 1798. Während der Franzosenzeit blieb die Schule geschlossen. Es musste ein Lichtblick gewesen sein, als 1811 mit dem Bau einer fahrbaren Güterstrasse über den Susten begonnen wurde. So hatten die Meier, neben der Landwirtschaft, eine Verdienstmöglichkeit im Tal. Nach sieben Jahren wurden die Arbeiten eingestellt, obwohl der Verbindung zwischen Innertkirchen und Wassen nur wenige Kilometer fehlten. Mehr als ein ganzes Jahrhundert dauerte es, bis die Verbindung fertig erstellt wurde.
Der Bau der Gotthardbahn 1872 – 1882 lies auch das Meiental für kurze Zeit aufleben. In der Folge jedoch mussten viele Einwohner das Tal verlassen, da es keine Verdienstmöglichkeiten mehr gab.

Die Neuzeit

Die Freude über den Entscheid an der Volksabstimmung vom 3. April 1932 bezüglich dem Bau einer Güterstrasse ins Meiental war von kurzer Dauer . Das äusserst knappe Ja (13 Stimmen) zum Baukredit veranlasste einige Stimmbürger aus Silenen zu einer Abstimmungsbeschwerde. Der Landrat folgte der Argumentation der Beschwerdeführer und hiess die Einsprache am 11. Juni gut. Am 19. Februar 1933 kam es erneut zu einer Volksabstimmung über ein Kreditbegehren für den Bau der Sustenstrasse. Diesmal war das Resultat mit 2430 Nein zu 1934 Ja eindeutig. Erst die Bedrohung in Europa brachte die Urner dazu umzudenken. So wurde 1938 im Jahr der Elektrifizierung des Meientals mit grossem Mehr dem Projekt „Sustenstrasse“ zugestimmt. Noch im selben Jahr wurden die Arbeiten aufgenommen, die acht Jahre später am 7. September 1946 abgeschlossen werden konnten. Von nun an gab es Anschluss an das schweizerische Strassennetz. Es brachte ein Postauto, man hatte Strom - Meien war deutlich näher an die Schweiz gerückt.
Doch die grösste Bedrohung war und ist über all die Jahrhunderte die gleiche geblieben, Lawinen haben dem Tal viel Not und Kummer gebracht. Eine Lawinenverbauung am Rinistock wurde unumgänglich. Mit dem Bau der Transportseilbahn wurde 1988 die erste Bauetappe in Angriff genommen. In den folgenden Jahren wurden über acht Kilometer Stahlschneebrücken eingebaut, ca. 35 Tonnen Schneenetze befestigt und für die Aufforstung ca. 12 000 Fichten gesetzt. Im 2002 konnten die Arbeiten abgeschlossen und mit einem Kostenaufwand von 16 Millionen Franken abgerechnet werden. Die riesige Lawinenverbauung am Rinistock und der Ausbau der Zufahrtsstrasse haben sehr viel zum sicheren Wohnen in Meien beigetragen. Natürlich ist keinem jungen Mensch zu verargen, wenn er das Tal auf der Suche nach Perspektiven verlässt. Trotz all dieser Sicherheitsmassnahmen ist es nicht gelungen, der Abwanderung Stirn zu bieten.

Pro Meien

Aus Besorgnis um den Bevölkerungsschwund wurde die Vereinigung „Pro Meien“ gegründet. Die Priorität liegt im „Stopp der Abwanderung im Meiental“ und somit um die bedrohliche Situation der Schule abzuwenden. Weiter gab man Impulse zu einem Mehrzweckgebäude, Meien erhielt eine Schneefräse und ein Skilift konnte in Betrieb genommen werden. Alle diese positiven Werte beeindruckten viel und bewogen einige im Tal zu bleiben. Vereinzelt zogen sogar Familien ins Meiental. Aber auch im Meiental fließt das Wasser nicht bergauf. Alle Bemühungen konnten es nicht ändern, 2001 war Schluss mit der Schule. Von nun an wurden auch die Unterstufenschüler mit dem Bus nach Wassen zur Schule gebracht. Ein sehr schmerzlicher Augenblick und ein Tiefpunkt der besonderen Art für das Meiental. Die Oberstufen der Gemeinden Göschenen, Gurtnellen und Wassen sind schon seit längerem in Gurtnellen vereint.

Heute

Wenn die Schule stirbt, stirbt auch die Gemeinde!
Es ist schwer zu hoffen dass dieser Spruch für einmal nicht zutrifft. Die Meientaler mussten im Laufe der Geschichte einiges ertragen, sie fallen nicht gleich bei der ersten Windböe aus dem Stand und das lässt doch hoffen. Die Landwirtschaft hat das Meiental geprägt und das Bild ist bis heute geblieben, vielleicht ist genau da der besondere Reiz des Meientals. Heute treffen wir ein Tal im Dornröschenschlaf. Die gleichen Weiler mit ein paar Häusern und einigen Ställen wie vor hundert Jahren zieren das Tal. Eine Passstrasse die im Sommer während drei Monaten für etwas Lärm sorgt, aber uns auch einfach ins Meiental bringt. Das Tal bietet viel schöne, ruhige Wanderungen und herrliche, imposante Gipfel laden zum Bergsteigen ein. Mit der Sustli- und der Sewenhütte stehen hier zwei Hütten und im Weiler Fürlaui ein Gästehaus zur Verfügung, ganz im Sinne des sanften Tourismus. Ein weiteres Aushängeschild stellt die Alp Hinterfeld dar. Auf Hinterfeld werden etwa 110 Kühe gesömmert und in der modern eingerichteten Käserei werden erstklassige Milchprodukte produziert, die weit über die Kantonsgrenze hinaus beliebt sind. Wie innovativ die Älpler heute sind, zeigt die neuste Attraktion: Seit dem Sommer 2004 hat Frau und Mann die Möglichkeit, sich auf der Alp in einem Molkebad zu entspannen.

Die Zukunft

Es sind noch viele Schätze im Meiental verborgen! Da kennt man einen „Silberberg“ und angeblich einen verborgenen Goldschatz am „Judsfad“. Alte Schriften besagen, dass ein Kunsthändler gesagt habe, dass sich im Berg auf der rechten Meienreuss-Seite bei „Fürlaui“ ein Klafter Silber befinde. Wir wissen nicht, ob die Wahrheit über diese verborgenen Schätze je einmal ans Tageslicht kommt, jedoch können jeden Tag die wunderschönen Schätze und der Reichtum des Meientals entdeckt werden. Solange wir, die Allgemeinheit bereit ist, die Landwirtschaft mit zu tragen, solange hat eine kleine Gemeinde das Auskommen im Meiental.

Bevölkerungsentwicklung im Meiental

Jahr Einwohner
1880 411
1900 245
1920 230
1941 264
1960 204
1980 121
2000 88
2004 77
2014 63